Diese Woche möchte die Karte GROWTH uns inspirieren – und ich musste ein bisschen lächeln, als ich sie gezogen habe, denn Wachstum ist eines dieser wunderbaren Worte, die wir in unserer spirituellen Welt sehr gerne und oft benutzen und von denen wir meistens glauben, ganz genau zu wissen, was sie bedeuten.
Wir wollen wachsen, uns entwickeln, bewusster werden, alte Muster hinter uns lassen, freier, stärker und gelassener werden, uns selbst besser verstehen und natürlich möglichst irgendwann an diesem sagenumwobenen Punkt ankommen, an dem wir vollkommen in uns ruhen, unsere Trigger liebevoll weglächeln und uns durch absolut nichts und niemanden mehr aus unserer Mitte bringen lassen.
Nun ja – ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich bin dort noch nicht angekommen, und inzwischen bin ich mir auch gar nicht mehr sicher, ob ich da überhaupt hinmöchte.
Für mich geht es bei GROWTH nämlich nicht darum, eine immer bessere Version meiner selbst zu werden. Es geht nicht darum, uns permanent zu optimieren, das nächste Thema zu heilen, noch ein Muster zu transformieren oder uns so lange zu bearbeiten, bis irgendwann diese vollkommen bewusste, gelassene und spirituell ausgereifte Frau aus uns geworden ist.
Ich erlebe es so, dass wir Wachstum viel zu lange mit Verbesserung verwechselt haben.
Denn für mich bedeutet Wachstum etwas anderes: Es bedeutet, uns im Laufe unseres Lebens immer tiefer kennenzulernen, Erfahrungen wirklich durch uns hindurchgehen zu lassen und daran nicht unbedingt besser, sondern wahrhaftiger zu werden. Klarer darin, was zu uns gehört und was nicht. Mutiger darin, unserer eigenen Wahrnehmung zu vertrauen. Und liebevoller mit all den Versionen von uns, die wir auf diesem Weg bereits gewesen sind. Und die wir in Zukunft noch sein werden.
Du bist kein Projekt, das irgendwann fertiggestellt werden muss, wonderful Spirit.
Und die Frau, die du heute bist, ist keine unvollständige Vorstufe der Frau, die du eines Tages sein wirst.
Du bist lebendig – und alles, was lebendig ist, wächst.
Wenn wir an Wachstum denken, sehen wir häufig eine Pflanze vor uns, die sich aus der Erde erhebt, größer wird, neue Blätter bekommt, Knospen bildet und irgendwann in voller Blüte steht. Was wir dabei leicht vergessen, ist der Teil, den niemand sieht, denn lange bevor sich diese Pflanze dem Licht entgegenstrecken konnte, hat sie begonnen, ihre Wurzeln in die Dunkelheit wachsen zu lassen.
Still unter der Erde entsteht dort das Fundament für alles, was später sichtbar sein wird.
Genau darin liegt für mich eine der wichtigsten Botschaften von GROWTH: Nicht jedes Wachstum muss sichtbar sein.
Es gibt Phasen in unserem Leben, in denen nach außen scheinbar wenig passiert. Wir haben noch keine Entscheidung getroffen, das Neue besitzt noch keine klare Form, wir sortieren, zweifeln, verwerfen wieder etwas oder spüren lediglich, dass sich tief in uns etwas verändert, für das wir noch gar keine Worte haben.
Wir halten solche Zeiten schnell für Stillstand, weil wir gelernt haben, Entwicklung an sichtbaren Ergebnissen zu messen. Dabei wächst in diesen Phasen häufig etwas ganz anderes: unsere Klarheit, unsere innere Stabilität, unser Vertrauen in uns selbst und unsere Fähigkeit, Dinge auszuhalten, die wir früher sofort lösen, kontrollieren oder verändern wollten.
Still und verborgen.
Tief in dir.
Ganz ohne Eile.
Auch alte Muster sind für mich deshalb kein Beweis dafür, dass wir nicht gewachsen sind. Dieselbe Situation kann dich noch immer triggern und trotzdem bist du heute eine andere Frau darin. Du bemerkst früher, was mit dir geschieht, brauchst vielleicht nicht mehr drei Tage, um dich wieder zu sortieren, sondern drei Stunden, und selbst wenn du noch manchmal Ja sagst, obwohl etwas in dir Nein meint, kannst du dieses Nein inzwischen hören.
Und genau das ist Wachstum.
Nicht die Vorstellung, irgendwann vollkommen triggerfrei durchs Leben zu schweben, sondern die Fähigkeit, uns selbst immer früher zu begegnen. Zwischen dem, was geschieht, und unserer alten automatischen Reaktion entsteht mit der Zeit ein kleiner Raum, manchmal zunächst nur für einen Atemzug, und plötzlich erkennen wir: Ah, das kenne ich. Da bin ich wieder.
Manchmal entscheiden wir uns dann anders und manchmal eben nicht. Doch selbst wenn wir wieder mitten in ein altes Muster hineinfallen, sind wir nicht mehr dieselben Menschen wie früher, sobald wir erkennen können, was gerade geschieht.
„Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen“ – Heraklit
Echtes Wachstum sieht deshalb oft erstaunlich unspektakulär aus. Du erklärst nicht mehr jedem Menschen, warum du eine bestimmte Entscheidung getroffen hast. Du beendest ein Gespräch, wenn du merkst, dass es dir nicht guttut. Du antwortest nicht mehr sofort, nur weil jemand etwas von dir möchte. Du erlaubst dir Ruhe, bevor dein Körper sie sich holen muss, und beginnst zu verstehen, dass nicht jede Stimmung im Raum deine Verantwortung ist.
Und manchmal zeigt sich Wachstum darin, dass du etwas nicht mehr möchtest, von dem du früher vollkommen überzeugt warst, dass du es unbedingt brauchst.
Denn wir wachsen nicht nur auf etwas zu.
Wir wachsen auch aus etwas heraus – aus Beziehungen, Rollen, Gewohnheiten, Lebensentwürfen und Vorstellungen davon, wer wir sein sollten, und manchmal sogar aus Träumen, die einmal wunderschön waren und irgendwann einfach nicht mehr zu der Frau passen, die wir inzwischen geworden sind.
Ich finde diesen Gedanken unglaublich befreiend, weil wir etwas nicht erst schlecht machen müssen, um es loslassen zu dürfen. Nicht jede Beziehung muss toxisch gewesen sein, nicht jeder Weg ein Irrweg und nicht jede Entscheidung ein Fehler, nur weil wir heute etwas anderes wählen würden.
Ein Kleidungsstück war schließlich auch nicht falsch, nur weil du irgendwann – auf welche Art und Weise auch immer – „herausgewachsen“ bist. Es hat gepasst, vielleicht hast du es sogar geliebt und sehr gerne getragen – und irgendwann merkst du einfach, dass du dich darin nicht mehr frei bewegen kannst, dich nicht mehr wohlfühlst, dich nicht mehr als die fühlst, die du mittlerweile bist.
So dürfen wir auch auf unser Leben schauen.
Es war einmal richtig.
Es hat mich getragen.
Nun darf ich wachsen.
Und ja, unser Wachstum wird nicht immer von allen Menschen um uns herum begeistert gefeiert – vor allem dann nicht, wenn jemand unsere alte Version ziemlich praktisch und für sich selbst hilfreich fand.
Wenn du plötzlich Grenzen setzt, wo du früher immer verfügbar warst, deine Bedürfnisse aussprichst, wo du früher geschwiegen hast, nicht mehr jedes Problem löst oder nicht länger versuchst, jeden Frieden zu retten, verändert sich nicht nur etwas in dir, sondern auch in deinen Beziehungen.
Das gehört für mich ebenfalls zu GROWTH: auszuhalten, dass die Frau, zu der wir werden, nicht mehr denen gefällt, denen sie zuvor sehr dienlich, nützlich, angenehm war.
Gerade jetzt im Herbst zeigt uns die Natur wunderschön, dass Wachstum niemals nur Expansion bedeutet. Die große Bewegung des Sommers zieht sich zurück, die Blätter verändern ihre Farbe, Pflanzen verwelken, Samen fallen zur Erde und vieles von dem, was sich in den kommenden Monaten vorbereitet, bleibt unseren Augen verborgen.
Und trotzdem hört die Natur nicht auf, sich zu entwickeln.
Sie zieht ihre Kräfte nach innen, bewahrt, integriert und lässt gleichzeitig sterben, was seinen Zyklus beendet hat. Unter der Oberfläche beginnt bereits die Vorbereitung auf etwas Neues, lange bevor wir davon auch nur das kleinste grüne Blatt sehen können.
Genau deshalb bedeutet Wachstum für mich auch Integration.
Wir müssen nicht ständig nach dem nächsten Thema suchen, das wir heilen können. Wir müssen nicht permanent fragen, was an uns noch verbessert, verändert oder transformiert werden sollte. Manchmal besteht die eigentliche Entwicklung darin, das, was wir längst erkannt haben, endlich wirklich zu leben.
Denn etwas zu verstehen und etwas verkörpert zu haben, sind zwei vollkommen unterschiedliche Dinge.
Du kannst alles über Grenzen wissen und trotzdem zittern, wenn du das erste Mal wirklich Nein sagst. Du kannst Bücher über Selbstliebe gelesen haben und trotzdem morgens vor dem Spiegel stehen und dich an diesem Tag überhaupt nicht mögen. Du kannst meditieren, Yoga machen, Karten legen, Journaling betreiben und deine innere Welt ziemlich gut kennen – und trotzdem gibt es Tage, an denen du einfach ein Mensch bist, der keine Ahnung hat, warum ihn etwas gerade so verdammt berührt.
Für mich bedeutet all dies das pure ERLEBEN von GROWTH ✨
Denn Spiritualität bedeutet für mich nicht, irgendwann über unseren menschlichen Erfahrungen zu schweben und von dort oben alles mit einem wissenden Lächeln zu betrachten. Sie bedeutet, immer tiefer in unser Menschsein hineinzugehen, unseren Körper zu fühlen, unsere Wahrheit ernst zu nehmen, unsere Verletzlichkeit nicht als Schwäche zu betrachten und auch jenen Teilen von uns einen Platz zu geben, die noch nicht geheilt, sortiert oder besonders lichtvoll sind.
„Wir sind keine menschlichen Wesen, die eine spirituelle Erfahrung machen, sondern wir sind spirituelle Wesen, die eine menschliche Erfahrung machen.“ – Yogi Bhajan
Wachstum bedeutet deshalb für mich auch, mich selbst nicht mehr zu verlassen, sobald es schwierig wird.
Nicht nur dann liebevoll mit mir zu sein, wenn ich stark, klar, mutig und wunderbar in meiner Mitte bin, sondern gerade auch an den Tagen, an denen ich zweifle, einen Fehler mache, mich klein fühle oder mich selbst gerade überhaupt nicht besonders gut leiden kann.
Ich möchte nicht nur die beste Version meiner selbst halten können.
Ich möchte alle meine Versionen halten können.
Die mutige und die ängstliche, die klare und die zweifelnde, die Frau, die genau weiß, was sie will, und jene, die gerade überhaupt keine Ahnung hat. Sie alle gehören zu mir, und für mich entsteht wahres Wachstum genau dort, wo wir aufhören, nur die vermeintlich guten, starken und geheilten Teile von uns mitnehmen zu wollen.
Und genau deshalb möchte ich dich mit GROWTH in dieser Woche nicht dazu auffordern, noch mehr an dir zu arbeiten.
Ich möchte dich einladen, dich einmal umzudrehen.
Schau auf die Frau, die du vor einem Jahr warst. Vielleicht sogar auf die Frau vor fünf Jahren. Denk an Situationen, von denen du damals dachtest, du würdest sie niemals überstehen, an Menschen, von denen du glaubtest, du könntest ohne sie nicht sein, an Entscheidungen, vor denen du Angst hattest, oder an Nächte, in denen du keine Ahnung hattest, wie dein Leben weitergehen sollte.
Und dann schau dich heute an.
Nicht mit dem Blick auf das, was noch fehlt, sondern auf das, was längst da ist.
Wir feiern die sichtbaren Meilensteine unseres Lebens sehr selbstverständlich und übersehen dabei oft die stillen inneren, für die es keine Urkunde, keine Glückwunschkarte und keinen Blumenstrauß gibt: das erste Nein, das du ausgesprochen und nicht wieder zurückgenommen hast, den Menschen, den du gehen lassen konntest, obwohl du ihn noch geliebt hast, den Moment, in dem du aufgehört hast, dich für deine Bedürfnisse zu entschuldigen, oder jene Situation, in der du plötzlich bemerkt hast, dass du diesmal nicht gegen dich, sondern für dich gehandelt hast.
Das sind für mich die wirklichen Meilensteine von GROWTH.
Und keine der Frauen, die du auf deinem Weg gewesen bist, war umsonst. Auch die Frau, die Entscheidungen getroffen hat, die du heute niemals mehr treffen würdest, verdient deine Liebe und nicht dein Urteil, denn sie wusste damals nicht, was du heute weißt.
Du hast es erlebt.
Du hast es gefühlt.
Du bist gewachsen.
Wonderful Spirit ✨, genau das ist mein SPIRIT BLISS für diese Woche: Suche dein Wachstum nicht nur dort, wo du noch hinwillst. Erkenne es auch dort, wo du bereits gewesen bist, und würdige all die Frauen in dir, die auf diesem Weg geliebt, verloren, gehofft, gezweifelt, vertraut und immer wieder neu begonnen haben.
Und dann stell dir eine einzige Frage:
Wo sehe ich noch immer einen Mangel in mir, obwohl dort in Wahrheit längst Wachstum stattgefunden hat?
Und wenn du noch ein wenig tiefer gehen möchtest, spüre hinein, was jetzt durch dich wachsen möchte – nicht weil du noch nicht genug bist, sondern gerade weil du lebendig bist.
Es muss keine große Vision und kein fertiger Plan sein. Manchmal beginnt Wachstum als Ahnung, als leises Nein, als zaghaftes Ja, als Idee, die immer wiederkommt, als Grenze, die endlich gesetzt werden möchte, oder als Sehnsucht, die du dir erlaubst ernst zu nehmen.
Lass ihr Zeit.
Du würdest schließlich auch keinen Samen jeden Morgen aus der Erde ziehen, um zu kontrollieren, ob er schon Fortschritte gemacht hat. Du gibst ihm Wasser und Licht und vertraust darauf, dass etwas geschieht, obwohl du es gerade nicht sehen kannst.
Schenk dir selbst dieselbe Geduld.
Denn du musst dein Wachstum nicht ständig sehen können, damit es geschieht.
Happy Magical Monday, du wundervoller SPIRIT ✨
Möge diese Woche dich daran erinnern, dass du nicht erst jemand anderes werden musst, um stolz auf deinen Weg sein zu dürfen, und dass manches der tiefsten Wachstum deines Lebens genau dort geschieht, wo niemand außer dir es sehen kann.
Wachse – aber nicht, weil du glaubst, noch nicht genug zu sein. Wachse, weil du lebendig bist, weil deine Seele neugierig ist und weil du immer tiefer entdecken darfst, wer du bist, wenn du all das ablegst, was du irgendwann einmal geglaubt hast sein zu müssen.
Und vergiss dabei niemals: Eine Blüte ist nicht wertvoller als eine Wurzel, nur weil man sie besser sehen kann.
I honor how far I have come.
I trust what is growing within me.
I grow deeper into myself.
Blisses & Blessings,
Kaja ✨
Und jetzt erzähl mir: Wenn du heute einmal nicht darauf schaust, wo du noch hinwillst, sondern dich umdrehst und siehst, wie weit du bereits gekommen bist – wo erkennst du dein eigenes Wachstum? ✨